Automatisierung erobert e-mail: 93 % der nachrichten sind nicht von menschen
Die E-Mail-Kommunikation hat eine beunruhigende Entwicklung durchlaufen: Laut einem Bericht von Hostinger werden mittlerweile nur noch 13 % aller versendeten E-Mails von Menschen verfasst. Eine erschreckende Zahl, die die zunehmende Dominanz von Automatisierung widerspiegelt.
E-mail als stille infrastruktur: menschen spielen kaum noch eine rolle
Der umfassende Studie analysierte eine Milliarde E-Mails über einen Monat hinweg. Das Ergebnis: Über 56 % der versendeten Nachrichten erreichen nicht den Posteingang des Empfängers, da sie als verdächtig eingestuft werden. „Die E-Mail hat sich still und heimlich zu einer Infrastruktur entwickelt, deren Großteil bereits automatisiert abläuft“, so Edgaras Lukosevicius, Engineering Manager bei Hostinger.
Doch welche Akteure stecken hinter dieser automatisierte Flut? Unternehmen mit Software as a Service (SaaS) und persönliche E-Mail-Anbieter sind mit 22 bzw. 20 % die größten Gruppen. Marketing-Tools und Newsletter folgen mit 16 %, soziale Netzwerke mit 15 % und kleinere Absender mit 10 %. Der Rest verteilt sich auf E-Commerce, Finanzdienstleistungen, Medien, Jobangebote und Reiseanbieter.
Nur persönliche E-Mail-Anbieter und kleine Absender sind noch direkt von menschlichem Eingreifen betroffen. Diese beiden Kategorien machen zusammen 30 % der erhaltenen E-Mails aus – was dem 13 % des gesamten E-Mail-Verkehrs entspricht. Die verbleibenden 87 % sind rein automatisiert generiert.

Phishing und malware als hauptursachen für blockierungen
Die Gründe für die hohe Anzahl abgelehnter E-Mails sind vielfältig. Phishing, Malware und Botnetze sind für 34 % der Blockierungen verantwortlich. Marketing, das als verdächtig eingestuft wird, verursacht 22 % der Probleme. Fehlkonfigurationen von Domains führen zu weiteren 11 % der abgelehnten Nachrichten.
Für Unternehmen bedeutet diese Entwicklung eine große Herausforderung. Der Wettbewerb um die Aufmerksamkeit der Empfänger nimmt zu, während die Effektivität traditioneller Metriken schwindet. Nutzer zeigen zunehmend Abneigung gegen eine Flut von Benachrichtigungen, Werbebotschaften und Warnmeldungen.
Eine schlechte Reputation des Absenders ist ein weiterer Faktor: 34 % der abgelehnten E-Mails werden aufgrund einer schlechten Reputation verworfen. Klicks und Interaktionen verlieren zunehmend an Aussagekraft. Unternehmen optimieren weiterhin Metriken, die die Realität des Kanals nicht mehr widerspiegeln.
Die Botschaft ist klar: Der E-Mail-Verkehr ist weitgehend automatisiert. Das bedeutet nicht nur eine Veränderung der technischen Landschaft, sondern auch eine tiefgreifende Verschiebung in der Art und Weise, wie Unternehmen und Einzelpersonen kommunizieren. Die Zukunft der E-Mail-Kommunikation liegt in der Anpassung an diese neue Realität – und in der Frage, wie man in einer Welt der digitalen Überlastung überhaupt noch gehört wird.