Spanien bekämpft prekäre arbeitsverhältnisse für studenten: neues studienpraktikum-gesetz tritt in kraft
Madrid – Ein langer Kampf um faire Bedingungen für junge Menschen hat Früchte getragen: Spanien hat ein neues Gesetz zum Schutz von Praktikanten verabschiedet. Die Maßnahme soll die Ausbeutung in nicht-bezahlten Praktika eindämmen und die Rechte von Studierenden stärken.

Studienpraktika: mehr grenzen, mehr rechte – und höhere strafen
Das Gesetz, das nach jahrelangen Diskussionen und Widerständen nun vom spanischen Parlament angenommen wurde, sieht eine Begrenzung der Praktikumsdauer vor. Studierende dürfen maximal 480 Stunden pro Jahr in nicht-universitären Einrichtungen arbeiten. Eine wichtige Neuerung: Unternehmen müssen Praktikanten die direkten Kosten wie Fahrt, Verpflegung und Unterkunft erstatten, sofern diese im Rahmen von Kooperationsvereinbarungen mit Bildungseinrichtungen vereinbart wurden.
Doch nicht nur die Arbeitsbedingungen werden verbessert. Auch die Rechte der Praktikanten werden gestärkt. Obwohl keine generelle Ausbildungsvergütung vorgeschrieben ist, sollen grundlegende Rechte wie eine angemessene Betreuung, eine klare Verbindung zwischen Aufgaben und Ausbildung sowie Zugang zu Betriebseinrichtungen gewährleistet werden.
Die Kritik an dem Gesetz kommt vor allem von der Wirtschaftsseite. Die Unternehmerverbände befürchten eine zusätzliche finanzielle Belastung, besonders für kleine und mittlere Unternehmen. Die Pflicht zur Kostenübernahme könnte für viele Betriebe eine unzumutbare Hürde darstellen. Auch Universitätsrektoren äußerten Bedenken, da sie eine geringe Beteiligung der akademischen Gemeinschaft am Gesetzgebungsprozess bemängelten. Sie befürchten, dass die Zusammenarbeit zwischen Universitäten und Unternehmen erschwert werden könnte.
Die Behörden setzen auf harte Strafen, um Missbrauch zu verhindern. Bei schwerwiegenden Verstößen, wie Diskriminierung oder fehlender Verbindung zur Ausbildung, drohen Unternehmen Bußgelder von bis zu 225.000 Euro. Ein neues Online-Portal, der "Büchse der Praktikanten", ermöglicht es den Betroffenen, anonym Missstände zu melden. Die Informationen werden an die Arbeitsinspektion weitergeleitet. Die Initiative zielt darauf ab, die oft unsichtbare Ausbeutung von Praktikanten aufzudecken und zu bekämpfen.
Das Gesetz ist ein wichtiger Schritt in Richtung fairer Arbeitsbedingungen für junge Menschen. Es bleibt abzuwarten, wie es in der Praxis umgesetzt wird und welche Auswirkungen es auf die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Bildungseinrichtungen haben wird. Die neue Regelung ist ein deutliches Signal: Die Zeit der unbezahlten Ausbeutung von Studierenden ist vorbei.